Reflexionen nach zwei Monaten Ecuador

Mittlerweile bin ich seit über zwei Monaten in Ecuador. Nach dem recht missglückten Start in Cuenca bin ich an die ecuadorianische Küste gefahren und habe dort 7 Wochen in einem Nomaden-Hostel in der Nähe von Manta verbracht. Momentan bin ich in Guayaquil und vom 22. – 30.10. die Galapagos-Inseln. danach geht es erstmal wieder zurück nach Lima. 

Ich denke, ich werde nach jedem längeren Aufenthalt so einen Reflexionsartikel schreiben. Der bietet zwar keinen Mehrwert für Leser, die nach Informationen über ein bestimmtes Reiseziel suchen, aber ich brauche das für mich und für einige mag es ja auch interessant sein, etwas Persönliches von dem Menschen hinter diesem Blog zu erfahren. 

Punta la Barca- Ein Nomadenhostel in einem ecuadorianischen Fischerdorf

Über Punta la Barca bin ich in der Facebook-Gruppe Digital Nomads Medellin gestolpert. Normalerweise wohne ich in Airbnbs und stelle bereits bei der Buchung sicher, dass ich ausreichend schnelles Internet habe, um ohne Probleme arbeiten zu können. Das hat bisher auch ohne größere Probleme geklappt, hat aber den Nachteil, dass ich als digitale Nomadin immer ziemlich isoliert gelebt habe. Als Introvertierte habe ich kein Problem damit, alleine zu sein bzw brauche es sogar, aber irgendwie fehlte trotzdem etwas. 

Mit einem Preis von USD 390/Monat für ein Zimmer mit Toilette und inklusive Frühstück, war Punta la Barca ein attraktives Angebot und ich dachte mir, ich versuche es einfach mal. 

Das Hostel wird von einer Belgierin und ihrem ecuadorianischen Ehemann geführt und liegt etwa 20 km von Manta entfernt in dem Fischerdorf Santa Marianita. Es gibt durchaus andere Hostels und Hotels in dem Ort und auch einige Expats sind dort zu finden. Insgesamt ist es jedoch super ruhig und Geld ausgegeben ist extrem schwierig, weil es nur einen etwas größeren Laden gibt, der zusammen mit einer Apotheke geführt wird. Ansonsten noch einige Mini-Läden. Aber kein Geldautomat, kein nettes Café, keinerlei Einkaufsmöglichkeiten. Am Strand, etwa 20 Minuten zu Fuß von Punta la Barca entfernt, gibt es einige Restaurants, die am Wochenende recht gut besucht sind. 

Santa Marianita
Straße in Santa Marianita

Leben und Arbeiten in Punta la Barca

Punta la Barca ist ein ziemlich kleines Hostel mit 4 Zimmern und einem Dorm. Seit kurzem ist es auch möglich, eine Wohnung mit eigener Küche und eigenem Bad zu mieten. Zudem ist Platz für einige Campervans und man kann auch im Zelt übernachten. 

Das Hostel bietet zudem zwei kleine Coworking Spaces. Auf dem ganzen Gelände gibt es hervorragendes Glasfaserkabel-Internet. Während meiner Zeit dort hatten wir dreimal kurze Stromausfälle, aber mit dem Internet an sich hatte ich keinerlei Probleme. 

Wer kochen möchte, kann das in der Hostel-Küche tun und wer so faul ist wie ich, der bekommt für jeweils USD 5 Mittagessen und/oder Abendessen.

Die Gegend von Santa Marianita ist von April bis Dezember optimal für Kitesurfing, weil es gleichzeitig windig und sonnig ist. Von Januar bis März kommen Surfer auf ihre Kosten, weil es zu dieser Jahreszeit fast keinen Wind gibt. 

Punta la Barca, Ecuador
Punta la Barca

Was mir an Punta la Barca gefallen hat

Punta la Barca und Santa Marianita sind ideal, wenn dein Hauptfokus auf Arbeiten liegt und du dafür eine ruhige Umgebung mit gutem Internet suchst. Gleichzeitig ist Manta gut und billig per Camioneta (einer Art Mini-Bus) zu erreichen, falls du so wie ich ab und zu mal ein bisschen Zivilisation brauchst. 

Vor allem, die Leute, die per Campervan oder mit dem Motorrad kamen, hatten oft sehr interessante Geschichte zu erzählen. Da ich mich normalerweise in Städten aufhalte, war es für mich der erste Kontakt mit dieser Art von Reisenden. Übrigens ein relativ hoher Anteil von Deutschen. 

Coworking space Ecuador
Coworking Space Nr. 2 mit Meeresblick

Was mir an Punta la Barca nicht gefallen hat

Insgesamt war es mir persönlich einfach zu abgelegen. Für 2 – 3 Wochen wäre es ideal gewesen, aber 7 Wochen waren einfach zu lang. Ich mache nun einmal kein Kitesurfing und da Sonne immer mit jede Menge Wind einherging, war ein längerer Aufenthalt am Strand nicht optimal. Zum Glück konnte ich mich zumindest auf der Terrasse etwas sonnen, ohne nachher aus sämtlichen Körperöffnungen Sand entfernen zu müssen. 

Zweitens war es für mich etwas frustrierend, dass es außer einer Amerikanerin, die im Oktober kam und die mir dummerweise nicht sonderlich sympathisch war, keine weiteren digitalen Nomaden gab, d.h. die meisten Gäste waren einfach ganz normale Reisende. Mein Wunsch nach ein bisschen Austausch mit Gleichgesinnten wurde hier also nicht erfüllt. 

Zum Schluss hat mir dann noch eine Familie mit drei entsetzlich lauten und schlecht bzw. gar nicht erzogenen Kindern das Leben schwer gemacht, so dass der Abschied nicht schwer fiel. 

Strand Santa Marianita

Warum eine politische Krise in Ecuador meine ganzen Pläne durcheinanderbrachte

So nach einer Woche in Punta la Barca wurde mir klar, dass ich nicht die ganzen 7 Wochen dort bleiben wollte. Also plante ich zunächst einen 4-tägigen Ausflug nach Puerto López, um die Isla de la Plata und Los Frailes zu besuchen. Das klappte auch alles wunderbar und war eine geniale Erfahrung. 

Als zweite Maßnahme beschloss ich, meinen Aufenthalt in Santa Marianita um einige Tage zu verkürzen und noch Montañita und Salinas zu besuchen. 

Dann kam der 3. Oktober und die ecuadorianische Regierung kündigte an, dass es künftig keine Subventionen mehr für Benzin geben würde. Dies war Teil einer Vereinbarung, die das Land mit dem Internationalen Währungsfond geschlossen hatte, um einen Kredit zu erhalten. 

Dazu muss man wissen, dass Benzin in Ecuador seit den 1970er Jahre so stark subventioniert wird, dass eine Gallone (4,5 Liter) nur ca 1 Dollar kostete. Ohne die Subventionen sollte sich der Benzinpreis um mehr als das Doppelte erhöhen und wäre damit etwa auf dem Stand von Peru und Kolumbien. Immer noch billig, aber es dürfte nicht überraschen, dass die Ankündigung der Regierung zu massiven Protesten, Streiks und Straßenblockaden führte. Als Folge davon rief die Regierung den Ausnahmezustand aus. In Quito kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Zeitweilig war die Stadt praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Da die Straße zum Flughafen und auch die Straßen Richtung Kolumbien blockiert waren, fuhren keine Busse und an manchen Tagen wurden sämtliche Flüge von und nach Quito gecancelt. 

Bei mir an der Küste war es zwar nicht ganz so schlimm, aber es war plötzlich nicht mehr möglich, etwas zu planen, weil jederzeit eine Straße nicht mehr passierbar sein konnte. Ich hatte schon Unterkünfte in Montañita und Salinas reserviert, mich dann aber letztlich entschlossen, alles wieder zu canceln, um das Risiko zu reduzieren, dass ich irgendwo festsitze und meinen Flug nach Galapagos verpasse. 

Als Folge davon war ich tageweise relativ genervt und frustriert und habe viel zu viel Netflix geschaut. Sinnvoller wäre es gewesen, etwas Produktives zu machen, aber das habe ich leider erst in meiner letzten Woche in Punta la Barca geschafft. 

Santa Marianita
Santa Marianita

Persönliche Entscheidungen

Bereits in Cuenca war es mir immer klarer geworden, dass es Zeit war, Peru zu verlassen. Es gibt in Lima zwei Menschen, die mir sehr wichtig sind, aber letztlich haben beide ihre eigenen Leben und sind kein Grund, in einer Stadt und in einem Land zu bleiben, mit dem ich nie wirklich warm geworden bin. 

Ich hatte bereits seit Mai darüber nachgedacht, eine Aufenthaltserlaubnis für Mexiko zu beantragen und im Prinzip alles dafür vorbereitet. Nachdem eine Freundin in Mérida/Yucatán mich gebeten hatte, im Dezember/Januar auf ihre Katze aufzupassen, während sie auf Reisen ist, buchte ich dann auch einen Flug nach Cancún für den 19. Dezember. Ich werde Weihnachten also dieses Jahr in Yucatán verbringen. 

Gleichzeitig kam ich aber immer mehr ins Grübeln, ob ich nun Lima wirklich gegen Mérida eintauschen möchte, also weiterhin ständig um eine Homebase kreisen will. Letztlich war die Antwort daraufhin ein klares Nein. Das bedeutet, dass ich zwar meinen Wohnsitz in Peru aufgeben, aber mir fürs Erste keinen neuen in einem anderen Land suchen werde. Diese Situation hatte ich 2017/8 schon einmal. Es ist keine Lösung auf Dauer, aber momentan gibt es mir die Möglichkeit, mich etwas treiben zu lassen und spontaner zu reisen. Ich werde sicherlich ca zwei Monate in Mérida bleiben und dann weiter nach Mittelamerika ziehen. 

Strand in Santa Marianita
Strand in Santa Marianita

Business-Entscheidungen

Meine Business-Entscheidungen hängen immer auch mit meinen persönlichen Entscheidungen zusammen. Wenn ich also beschließe, meinen Wohnsitz in Peru aufzugeben, betrifft das auch meine Firma. Gut, rein theoretisch könnte ich die Firma in Peru behalten. Möchte ich aber aus diversen Gründen nicht. Stattdessen gehe ich wieder nach Europa, genau genommen zum innovativen Estland. Die Firma xolo.io bietet seit kurzem eine super einfache Möglichkeit, eine Online-Business zu starten und alles komplett online zu managen. 

Zweitens war meine Idee, mich mehr mit anderen digitalen Nomaden zu vernetzen und mich auch offline auszutauschen, ja nicht schlecht. Hat halt nur in Punta la Barca nicht geklappt. Stattdessen bin ich nun aber dem Citizen Circle beigetreten, einer deutschsprachigen Community für ortsunabhängige Unternehmer. Der Citizen Circle veranstaltet zweimal jährlich eine große Konferenz mit Workshops und Vorträgen. Die nächste findet im Januar in Malaysia statt, das funktioniert für mich leider nicht. Aber im Juli gibt es dann die nächste Konferenz in Slowenien und ich werde das mit einem längeren Aufenthalt in Europa verbinden. 

Mein erklärtes Ziel ist es, meinen Online-Deutschunterricht bis Ende 2020 auf maximal 10 Stunden/Woche zu reduzieren und die Einnahmen durch andere Einkünfte zu ersetzen. Dabei spielt natürlich dieser Blog eine Rolle, aber ich habe noch vier weitere Projekte im Kopf, die ich so peu à peu umsetzen möchte. 

Die 7 Wochen in Punta la Barca haben mir zudem nochmals gezeigt, was ich eigentlich schon lange weiß: Ich bin nicht produktiver, wenn ich mehr Zeit habe. Eher im Gegenteil. Ich arbeite wesentlich strukturierter und effektiver, wenn ich nur 2 – 4 Wochen an einem Ort bin und mehr Zeit mit Sightseeing und ähnlichen Aktivitäten verbringe, als das hier der Fall war. 

Santa Marianita
Expat-Haus in Santa Marianita

Fazit

Insgesamt war mein Aufenthalt in Ecuador nicht wirklich spektakulär und mit Ausnahme meines Monats in Medellin war das ganze Jahr bisher eher ein mehr oder weniger großes Disaster. Trotzdem schaue ich augenblicklich sehr positiv in die Zukunft, weil ich während meiner Zeit hier doch einige Entscheidungen getroffen habe, die meinem Leben eine neue Richtung geben werden. Nach knapp drei Jahren habe ich wieder das Gefühl, vollständige Kontrolle über mein Leben zu haben und das fühlt sich ausgesprochen gut an. 

Wer schreibt hier?

Hallo, mein Name ist Daniela. Ich komme ursprünglich aus Deutschland, habe seit 2018 meinen Wohnsitz in Peru und reise als digitale Nomadin durch Lateinamerika. Außer hier schreibe ich auch auf Digital Nomads Peru

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