Das Problem mit den Einpackern in Mexikos Supermärkten

Ich liebe Mexiko. Es ist ein wunderschönes Land mit einer unglaublichen Kultur, einem tollen Klima und supernetten Menschen. In Mexiko und speziell auf der Halbinsel Yucatán fühle ich mich einfach nur wohl. Mit einer Ausnahme: Jedesmal, wenn ich einen großen Supermarkt verlasse, bin ich genervt oder fühle mich schlecht. Kommt immer drauf an, wie meine Ausgangsstimmungslage gerade so ist. Warum das so ist, darüber möchte ich heute etwas schreiben. Nachdem ich es schon mit verschiedenen Leuten hier vor Ort diskutiert habe. 

Was sind Einpacker?

Einpacker sind mir das erste Mal vor sehr sehr langer Zeit in den USA begegnet. Ich hatte im Supermarkt eingekauft und jemand packte meine Einkäufe für mich in eine Tüte. Fand ich als Deutsche befremdlich, aber das war noch vor der Zeit, wo wir alle unsere eigenen Taschen zum Einkaufen mitgenommen haben. Auch in Deutschland war das noch nicht Standard. 

Ich war seitdem nicht mehr in den USA, weil mich das Land nicht interessiert. Davon abgesehen stolpert man in Lateinamerika eh überall und nirgends über Amis. Okay, über Deutsche auch und manchmal sogar über Österreicher und Schweizer. 

Mexiko hat vor allem im Konsumbereich einen nicht ganz so kleinen US-amerikanischen Touch. Es gibt hier Walmart, die wahrscheinlich größte Supermarkt-Kette aus den USA. Und aufgrund von NAFTA gibt es auch sehr viele amerikanische Produkte. Nicht nur bei Walmart, aber dort besonders stark. Außerdem sind die Mexikaner verrückt nach Coca Cola, das habe ich in keinem anderen lateinamerikanischen Land erlebt. 

Und Mexiko hat Einpacker. Bei Walmart und auch bei Soriana, der größten mexikanischen Supermarktkette. 

Mexikanischer Walmart

Ich mag keine Einpacker

Im Gegensatz zu vielen südamerikanischen Ländern, in denen Plastiktüten in Supermärkten mittlerweile bezahlt werden müssen und durch Anzeigekampagnen versucht wird, die Menschen dazu zu bringen, ihre eigenen Taschen mitzubringen, packen mexikanische Einpacker weiterhin fröhlich alles in 1000 kleine Tüten ein. Das allein ist für mich schon ein No-Go. 

Ja, du kannst ihnen auch deine mitgebrachte Tasche geben, aber das hat dann gerne zur Folge, dass die Tomaten ganz unten landen und der Joghurt oder die Kartoffeln darauf geknallt werden. Das mögen die Tomaten nicht besonders. Ich habe ein System, wie ich meine Einkäufe einpacke und außerdem bin ich schneller als jeder Einpacker. Ich will und brauche diesen Service nicht. 

Die Einpacker werden nicht bezahlt!

Das ist das Problem und der Grund, warum ich mich nach Supermarktbesuchen schlecht fühle. In den USA sind die Einpacker Angestellte von Walmart, in Mexiko aber nicht. Im Allgemeinen sind es Rentner, die auf Trinkgeldbasis arbeiten. Sie haben vom Arbeitsverhältnis her nicht das Geringste mit Walmart oder Soriana zu tun. 

Wenn ich also meine Sachen selber einpacke, nehme ich dem Einpacker nicht nur seine Arbeit weg, sondern beraube ihn auch für einige Minuten seiner Verdienstmöglichkeiten. Manchmal bleiben Einpacker neben mir stehen und schieben mir die Sachen zu. Das nervt mich, weil ich merke, dass sie Geld erwarten. 

Es gibt Leute, die auch dann ein Trinkgeld geben, wenn sie selber eingepackt haben. Ich mache das nicht. Mir geht es dabei nicht ums Geld (wir reden hier von 10 – 25 Cent), sondern ums Prinzip. Ich sehe es nicht ein, mir eine Dienstleistung aufzwingen zu lassen und für etwas zu bezahlen, was ich weder will noch brauche. 

So ganz nebenbei habe ich mittlerweile mitgekriegt, dass es auch ganz viele Ausländer gibt, die nicht wissen, dass ein Trinkgeld erwarten wird, sich alles einpacken lassen und dann einfach gehen. Besonders US-Amerikaner, weil es bei ihnen halt anders funktioniert. Dort ist das Einpacken ein Service des Supermarkts. 

mexikanischer Walmart

Wie wichtig ist das Trinkgeld für Einpacker?

Es ist ihr Gehalt, folglich ist es wichtig. In Expat-Gruppen wird gerne argumentiert, dass es superwichtig ist, den Einpackern ihr Trinkgeld zu geben. Das ist das, was ich letztes Jahr nur gehört habe und weswegen ich mich nach jedem Supermarktbesuch wie ein kleines Arschloch gefühlt habe. 

Mittlerweile habe ich über das Thema mal mit zwei Mexikanerinnen gesprochen, und plötzlich sieht es doch ein bisschen anders aus. Mexikaner geben Trinkgeld, logisch. Das ist bei denen genauso drin wie bei uns, dass wir eine Tasche mitbringen. 

Wie gesagt, die Einpacker sind zumeist Rentner. Es gibt ein spezielles Gesetz, dass es ihnen ermöglicht, dieser Tätigkeit nachzugehen. Seit kurzem gilt es auch für sehr junge Menschen, aber du wirst keine Einpacker im Alter von 30 oder 40 Jahren sehen. Gut, diese Rentner bekommen zumeist eine Rente. Die ist superniedrig, davon dann man nicht leben, aber man sollte das trotzdem im Kopf behalten. Die Einpacktätigkeit ist ein Zubrot. 

Nun beträgt der Mindestlohn in Mexiko seit 2020 ganze 123 Pesos pro Tag. Das sind etwa € 5,80. Mexiko ist billig. Für mich. Aber von weniger als € 200 im Monat könnte ich hier nicht einmal ansatzweise leben. Klar, als westlicher Ausländer braucht man immer mehr, aber trotzdem. 

Die Mexikanerinnen erzählten mir, dass sie den Einpackern 2 – 5 Pesos Trinkgeld geben. Wenn ausländische Kunden etwas geben, dann sicherlich eher 5 – 10 Pesos. Das sind ca 25 – 50 Cent und alles darunter wäre mir peinlich. Gut, gehen wir mal von durchschnittlich 3 Pesos Trinkgeld aus und einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 6 Stunden mit 12 Kunden pro Stunde aus. Das ergibt einen Verdienst von etwa € 10 pro Tag. Das klingt für uns katastrophal wenig, aber es ist fast doppelt soviel wie der mexikanische Mindestlohn. 

Ein Walmart-Kassierer in Mexiko verdient etwa € 230 im Monat. Der Einpacker sicher nicht weniger, sondern mit etwas Glück sogar mehr. 

Seitdem mir das klar geworden ist, fühle ich mich zumindest nicht mehr wie ein Arschloch, wenn ich meine Sachen selber einpacke und gehe. 

backwaren im mexikanischen Walmart

Warum mir das System mit den Einpackern trotzdem nicht gefällt

Ganz wohl fühle ich mich dennoch nicht und kaufe daher möglichst auf Märkten und in kleinen Läden ein. Was ja eh die bessere Option ist, aber leider nicht immer geht, weil man halt doch mal Produkte braucht, die man nur in einem großen Supermarkt findet. 

Ich finde es schrecklich, dass mexikanische Rentner (so wie auch die Rentner in vielen anderen Ländern) gezwungen sind zu arbeiten, weil ihre Rente einfach nicht zum Leben reicht. Einpacker beim Walmarkt oder Soriana ist nämlich sicher kein Traumjob. 

In Peru packen die Kassierer die Einkäufe ein, wenn du weiterhin auf Plastiktüten bestehst. Das hat den Nachteil, dass alles sehr sehr lange dauert. In Mexiko geht es an der Kasse doch ein ganzes Stück schneller. Das ist zwar ein Vorteil, aber irgendwie bin ich der Meinung, dass jeder Mensch in der Lage sein sollte, seine Einkäufe einzupacken, anstatt auf dem Handy herumzutippen und andere machen zu lassen. 

Der Job des Einpackers ist für mich völlig überflüssig. Besonders mit US-Amerikanern hatte ich da schon heftige Diskussionen. Sie meinen, ich wäre hartherzig, weil sowohl in den USA als auch in Mexiko Menschen auf diesen Verdienst angewiesen sind. Nun gut, aber in anderen Ländern geht es ja auch ohne Einpacker, und es war halt immer schon so, dass Berufe kommen und gehen. Da bin ich total pragmatisch. Ich bin mir zum Beispiel sicher, dass es meinen Job des Sprachlehrers in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr geben wird, weil das dann alles von Software übernommen wird. Kann mir egal sein, weil es jetzt noch funktioniert. Naja, vielleicht stehen ja in einigen Jahrzehnten nette kleine Einpackroboter an den Kassen. So what? Ich mag Technologie. 

Einpacker in mexikanischen Supermärkten

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